01.10 Zweiter Tag BML
Das frühe Aufstehen klappt wie
ein Wunder. Kurze Katzenwäsche, anziehen und rauf zum Restaurant, um noch eine Tasse Tee bzw.
Kaffee zu trinken, bevor wir uns wieder auf den Landrover schwingen. Die Gruppe von gestern Abend ist um ein weiteres englisches Pärchen erweitert, d.h. die Sitze im
Landrover müssen verteidigt werden. Somit besteht unsere Crew jetzt aus zwei englischen, sehr jungen Pärchen, den beiden anderen Deutschen und uns. Die zwei Schwaben
reden selten, und wenn sie doch mal das Wort an uns richten sind sie so gut wie nicht zu verstehen, obwohl wir ja nun seit fast drei Jahren auch im Training mit diesem Dialekt
sind. Andrew, unser Späher, und Isaac, unser tollkühner Fahrer geben sich alle Mühe uns heute morgen auf unser aller Wunsch einen Leoparden zu zeigen. D.h. wir
betreiben Spurensuche, fahren vorwärts und rückwärts durch geradezu unwegsames Gelände und suchen, suchen, suchen. Aber es hilft nix. Alles was wir aus weiter
Ferne erspähen ist wieder die Löwenfamilie. Wir entscheiden uns dennoch, sie noch mal aus nächster Nähe
zu betrachten und fliegen im wahrsten Sinne des Wortes Richtung Wasserstelle, wo wir sie von der Lodge aus gesichtet haben. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass jede
Achterbahnfahrt nach dieser Fahrt ihren Reiz verloren hat. Wir schaffen es rechtzeitig zur Wasserstelle und können die Löwenfamilie von gestern Abend noch mal aus
nächster Nähe betrachten. Ein unheimlich schöner Anblick. Diese Anmut. Ganz ruhig und gelassen liegen und gehen sie, wie Ihnen gerade der Sinn steht, da sie genau
wissen, dass wir Ihnen aus Respekt nicht zu nah auf die Pelle rücken. Isaac versichert uns, dass wir trotz offenem Landrover sicher sind, da sich die Tiere mittlerweile an
Form und Farbe der Landrover gewöhnt hätten - allerdings wäre es mehr als unklug den Landrover zu verlassen. Beim Fotografieren der
Löwenfamilie trifft mich dann ein Schreck am frühen Morgen - vor lauter Begeisterung und Eile habe ich gestern den Film wohl nicht richtig eingelegt, so dass alle
Löwen und Elefanten Bilder von gestern dann leider nix geworden sind. Welch ein Ärger!!!! Aber es hilft nix, das
kann passieren. Dafür ab jetzt ganz ordentlich drauf geachtet und doppelt so viele Bilder geschossen. Wir verlassen die Löwen und finden noch eine Giraffe. Und auch wenn
wir Giraffen schon zur Genüge fotografiert haben und uns ganz fest vorgenommen haben, uns einfach nur noch an ihrem Anblick zu erfreuen können wir schon nach kurzer Zeit
nicht anders als wieder auf den Auslöser zu drücken. Diese Tiere sind einfach zu schön. Und dann kommt ein echtes Highlight: Eine Rhinozeros Mami mit kleinem (wobei
klein hier natürlich relativ ist). Jetzt fehlt uns wirklich nur noch der Leopard... Wir machen erst mal eine Frühstückspause. Wieder ein traumhafter Ausblick, aber
anders als gestern Abend gibt's jetzt natürlich keine Alkoholika mit Biltong sondern Kaffee oder Tee und Bisquits. Auf allgemeinen Wunsch laufen wir zurück zur Lodge und
Andrew fährt alleine im Landrover. Obwohl es erst 8:30 Uhr ist, ist es schon wahnsinnig heiß. Damit wir zwischendrin immer mal Zeit zum verschnaufen haben zeigt und erklärt uns Isaac vieles interessantes. So zaubert er z.B. aus einem Erdloch
ein Antlion, einen klitze kleinen Käfer oder lässt uns an den Blätter eines Busches riechen, der wie Gin riecht. Große Tiere sehen wir bis auf ein Impala
keine, aber wir kommen dennoch alle glücklich, wenn auch nassgeschwitzt und erschöpft am Frühstückstisch an. Während des gesamten Aufstiegs zurück
zur Lodge habe ich vor meinem geistigen Auge den Pool gesehen, und mich darin. Aber als wir zurück zu unserem Appartement kommen und in die Badesachen steigen wollen
offenbart sich, was wir in der Anfangshektik im Auto vergessen haben: Die Badesachen. Nun ist guter Rat teuer. Nicht an den Pool oder wieder runter zum Auto. Mein
frischvermählter und treu sorgender Ehemann opfert sich und nimmt die Strapazen auf sich, 25 min. pro Tour mit dem Landrover runter zum Auto und wieder hoch zu

fahren. Was für ein Schatz!!! So kommen wir dann 1 Stunde später doch noch zu unserer Abkühlung im wirklich kalten Nass. Aber die Mühe hat sich auf jeden Fall
gelohnt, denn wir sind nach diesem kurzen Bad endlich mal wieder super erfrischt und nicht staubig. Kurzes Ausruhen am Pool und dann schon wieder auf zum Mittagessen. Dieses
leider auch schon wieder in Hektik, da die Dame an der Rezeption dem Charme und der Beharrlichkeit meines Mannes
erlegen ist und uns nun doch noch ein Häuschen in der ersten Reihe organisiert hat. Yip, Yip. Auch wenn man vor lauter Tagesprogramm kaum dazu kommt den Ausblick zu
genießen hat sich der Umzug in Lodge 14 gelohnt. Denn der Ausblick ist wirklich wunderschön. Schade nur, dass wir so wenig Zeit haben den Ausblick zu genießen, da
wir heute schon um 15:30 Uhr mit unserem nachmittäglichen Game Drive starten. Isaac hat die
Hoffnung, dass wir Nilpferden dabei zuschauen können, wenn sie abends aus dem Wasser kommen und möchte deshalb mit uns aus der Game Lodge raus fahren an den Sabie River.
Aus diesem Grund gibt es für unseren Landrover den Tee schon um 15:00 Uhr. Kurze Zeit später dann Fahrt mit der kompletten Mannschaft raus aus der Lodge und durch die
community außerhalb der Lodge, bis zum Badeplatz der Hippos am Rande des KNP. Bevor wir in die community reinfahren bittet uns Isaac noch zu winken, wenn wir an winkenden
Kindern vorbei fahren. Und tatsächlich, so erbärmlich die Hütten und Behausungen auch sind, an denen wir vorbei fahren, die Menschen freuen sich, uns zu sehen und
winken, und winken, und winken. Die kleinen laufen teilweise ein Stück mit dem Auto mit und schreien aus Leibeskräften, wenn wir ihr Winken nicht sofort sehen. Wir
kommen uns vor wie die Königsfamilie, die man immer im Fernsehen mit Lächeln und winkenden Händen sieht. Alle im Landrover sind nur mit Winken beschäftigt,
Kinder über Kinder, die losrennen und winken, sobald sie unser Auto sehen. So fahren wir gute 15 min. über Wege und Strassen, die wir uns ohne
Isaac nie trauen würden zu befahren und es kommt einem der Gedanke, dass dieses Land noch einen weiten Weg zu gehen hat. Wir kommen am Hippo Badeplatz an und welch Wunder,
wir sehen eine Schaukel und eine Wippe für Kinder. Das hätten wir ja nun hier als letztes erwartet. Ansonsten ein Grillplatz, an dem ein paar afrikanische Familien
picknicken und 2 Fischer. Und natürlich Nilpferde. Nur leider sind die aufgrund der lärmenden und picknickenden Familien im Wasser und machen auch keine Anstalten aus
dem Wasser rauszukommen. Wir trinken alle einen Softdrink (Alkohol scheint außerhalb der Lodge ein Problem zu sein) und warten.... und warten ..... und warten. Da es nicht
so aussieht, dass die Hippos sich bewegen und der Sonnenuntergang oder besser die plötzliche Dunkelheit naht drängt Isaac zum Aufbruch. Ihm scheint es nicht recht zu
sein mit einem Landrover voller Touristen bei Dunkelheit noch außerhalb der Lodge unterwegs zu sein. Zurück fahren wir eine andere Route, immer am KNP entlang. Nach
etlicher Zeit stoppen wir erneut für einen weiteren Sundowner, diesmal mit Alkohol und leckerem Biltong. Bei diesem Stop frage ich Isaac, ob die Kinder aus der community alle
wissen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn plötzlich ein wildes Tier vor ihnen steht. Und mit der Antwort erzählt uns Isaac zwei erschreckende Sachen:
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Nein, sie wissen es leider nicht und es werden aus diesem Grund eine ganze Menge Leute jährlich getötet, wenn sie zu Fuß von einer community
zur anderen unterwegs sind (Anmerkung: einfacher Fußweg so ca. 18 km).
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Das die Leute überhaupt wilden Tieren begegnen liegt daran, dass trotz der Einzäunung von KNP und den private Game Lodges und trotz dessen, dass auf
allen Zäunen nicht zu knapp Strom liegt, z.B. die Elefanten trotzdem einfach durch die Zäune durchlaufen, wenn Ihnen der Sinn danach steht. Für die Leoparden,
Löwen etc. gilt, dass sie Löcher unter den Zäunen durchgraben, um von einem Revier in das nächste zu wechseln. So kommt es z.B., dass in unserer private
Game Lodge mittlerweile ein Leopard umherstreift, obwohl dieser nie aktiv angesiedelt wurde.
Nur gut, dass wir das erst jetzt erfahren, sonst hätten wir uns wohl vorher in den Camps im KNP nicht so sicher gefühlt wie wir das haben. Nach dem
Stop geht's weiter ins Camp hinein. Eine erneute Nachtfahrt in der Lodge erwartet uns. Isaacs Fahrkünste sind dabei wie immer atemberaubend. Besonders, nachdem einige der
anderen Ranger Wilddogs nicht allzu weit von uns entfernt gesichtet haben. Aber so sehr er sich auch anstrengt, wir sichten leider weder die Wilddogs noch einen Leoparden. Aber
viel Spaß hatten wir trotzdem alle. Abendessen gibt's diesmal in

der freien Natur. Erstaunlich mit wieviel Mühe das Personal der Lodge diesen Braai in der Wildnis arrangiert hat. Es gibt ein 3-Gänge Menü mit Steaks vom offenen
Feuer. Zur Begrüßung gibt’s Köfte und zum trinken eine Auswahl an Bier und Weinen. Alles wird nur von Feuer und den auf den Tischen stehenden Petroleum
Lampen beleuchtet. Eine Wahnsinnig schöne Stimmung. Man kommt sich fast vor wie ins vorige Jahrhundert zurückversetzt als Teilnehmer auf einer englischen Safari. Es
würde einen nicht erstaunen, würde Hercule Poirot um die Ecke kommen. Nur die Kleidung der Touristen passt nicht so ganz ins Bild. Und natürlich das Camping Kloo,
dass stilvoll in einem Leinenkabuff versteckt ist und zum Händewaschen eine Schale Wasser mit Seife davor bietet. Während alle noch ganz fasziniert von dieser Stimmung
sind zieht leider ein heftiger Wind auf, dem Wetterleuchten folgt, was uns zu einem vorzeitigen Aufbruch zwingt.
Isaac, der in seinem Job ganz aufgeht, hilft, wo er nur helfen kann. Ich meine gerade Achim wäre da am Werk. Es ist deutlich, auch Isaac ist ein sehr verantwortungsbewusster
Mensch, dem es sichtlich schwer fällt, das andere Dienstpersonal mit dem offenen Feuer, dem starken Wind und der Bedrohung durch die wilden Tiere zurückzulassen. Aber
auch der Jeep voller Touristen ist unter seiner Obhut und so kommt er dann doch noch zum Jeep und bringt uns als letzten Jeep schnell zur Lodge zurück, bevor er wieder zur
Feuerstelle zurück fährt. Alles, was wir auf der Fahrt zur Lodge noch sehen sind die Blitze, die rund um uns niedergehen. Wir beeilen uns deshalb zurück zu unserer
Hütte zu kommen. Und werden ein weiteres Mal an diesem Abend angenehm überrascht: Das Licht im Bad brennt und als wir nachschauen gehen sehen wir lauter Teelichter und
Blätter von roten Büschen um die Badewanne drapiert. Auch wenn es schon spät am Abend ist kann ich bei solch
einer einladenden Atmosphäre natürlich nicht anders, als noch ein Bad zu nehmen. So geht ganz entspannt ein weiterer wahnsinnig schöner und interessanter Tag zu
Ende. Da der Leopard von uns heute noch nicht gesichtet wurde hatte sich die gesamte Truppe unseres Landrover entschlossen, am nächsten Morgen nochmals in aller Frühe zu
einem Gamedrive aufzubrechen. Also wieder Wecker stellen auf 5:30 Uhr. Und wo wir ja jetzt diese Wahnsinnshütte mit diesem super Ausblick haben, nehmen wir uns vor schon um
5:00 Uhr aufzustehen, um den Sonnenaufgang zu genießen... mal sehen, ob das klappt.
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